Pfarrei Hauzenberg


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St. Vitus

Pfarrei



St. Vitus, Hauzenberg



Die Frühgeschichte ist unbekannt. Nach der Sage war der älteste Kultbau hier die von 3 verirrten Wanderern aus Oberneureuth errichtete Kapelle, vermutlich an derselben Stelle - in der Nähe es Friedhofs, wo heute noch eine Kapelle steht und in der bildlichen Darstellung an der Vorderfront an die Entsehungsgeschichte erinnert.
Der Standpunkt unserer Kirche ist der günstigste im Markt; sie steht auf beherrschender Höhe, auf einem Platz, der für eine Adelsburg oder einen Edelhof geeignet gewesen wäre.

Das Vorhandensein einer Kirche an dieser Stelle können wir wohl schon im 12. oder 13. Jahrhundert vermuten, sicher bestand sie im 14. Jahrhundert, um zwar als Filialkirche von Kellberg. Möglicherweise war der Vorläufer unserer Pfarrkirche eine sog. Taufkirche, nachdem solche Taufkirchen in unserer Waldgegend mehrfach erwiesen sein sollen. Jedoch macht sowohl das geringe Alter wie auch die Wahl des Ortsheiligen diese Annahme unwahrscheinlich.

Die heutig Kirche stammt in ihrem Chorbau aus dem 15. Jahrhundert, somit aus der Zeit der Errichtung einer selbständigen Pfarrei Hauzenberg. Was sich zur Zeit der Gewährung der Marktfreiheit in Hauzenberg an dieser Stelle befand - 1359 - ist unbekannt. Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich längst schon in unserem Ort eine Kirche befand, die St. Veit gewidmet war; denn in der "Ehaft" von 1359 ist ausdrücklich von der kirchlichen Feier des hl. Vitus die Rede. Zu vermuten ist, dass sich die Ortskirche in jenen Zeiten in einem Holzhaus bestand, der nun einem gediegenen Steinhaus Platz zu machen hatte.
Näheres über die Steinkirche des 15. und der folgenden Jahrhunderte können wir nur baugeschichtlich erschließen.

Von dem spätgotischen Bau, dessen Errichtung vermutlich mehrere Jahrzehnte in Anspruch nahm, steht nur noch der Chor und von der ursprünglich ebenfalls dreischiffigen Kirche lediglich ein kleiner Wandrest mit Fensterteil neben und über der sog. Seelenkapelle. Aber wir können von der Konstruktion des Chores auf den gesamten Stil der Kirche schließen. Eine Annäherung und die alte Bauform wurde offensichtlich auch bei dem großen Umbau im 19. Jahrhundert angestrebt. Bedauerlich ist, dass die kleinen Wappenschilder an den Kämpfersteinen des Chors keine Wappen mehr erkennen lassen, sie könnten sonst Aufschluß geben über Stifter aus der Bauzeit. Aus der spätgotischen Zeit stammt auch das Sakramentshäuschen über dem Eingang in die Sakristei; es befand sich somit auch die alte Sakristei an der Stelle der heutigen. Spätgotisch ist ferner der interessante Flügelaltar, der nun in der Seelenkapelle Aufstellung fand und als einziger im Landkreis erhaltender mittelalterlicher Altaraufsatz bezeichnet wird. Einer Tradition gemäß entstammt er der ehemaligen Schloßkapelle von Freudensee und wurde vermutliche von einem Passauer Künstler gefertigt.
Da Urkunden über die Herkunft des Altars von Freudensee bisher nicht gefunden wurden, lag auch die Möglichkeit vor, dass derselbe noch von der ehemaligen Altarausstattung unserer spätgotischen Pfarrkirche stamme und vermutlich schon einer Erneuerung in der Barockzeit Platz zu machen hatte. Denn es ist anzunehmen, dass sich die große Stiländerung, die auf altbayerischem Boden besonders starken Anklang gefunden hatte, auch in unserer Kirche auswirkte. Auch der Zwiebelturm, der bis zum großen Umbau im 19. Jahrhundert auf allen Ortsbildern zu erkennen ist, läßt auf barocke Einflüsse schließen. Aus der frühen Renaissancezeit ist nur die hübsche Tonskulptur "Ölberg" - jetzt über dem Eingang zum Turm befindlich - vorhanden; sie trägt die Jahreszahl 1562. Im Jahre 1751 war vom Priester Joh. Bapt. Lang, damals Administrator auf dem Pöstlingsberg b. Linz, ein linker Seitenaltar für unsere Kirche gestiftet worden. Auch über dessen Ausführung und weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Aus der Rokokozeit sind zwei Holzstatuen erhalten: St. Johann Nepomuk und St. Franziskus, die heute an der Westwand der Kirche zu beiden Seiten des Turmeingangs angebracht sind. Vielleicht stammen sie von einem der Altäre, die bei Herstellung der neugotischen Kircheneinrichtung verschwinden mußten.

Die Seelenkapelle wurde 1660 angebaut und dient wohl in erster Linie als Begräbnisstätte der Pfarrherrn. Vermutlich wurde auch hier die Rosenkranzbruderschaft gegründet. Der einzige hier angebrachte Grabstein eines Nichtpriesters: des Bürgers Zaglauer und seiner Ehefrau, letzteres gest. 1621, dürfte sich ursprünglich an der Außenwand der Kirche befunden haben und beim Kapellenbau an seiner alten Stelle belassen worden sein. Dass Pfarrer Dürr zur Restaurierung der Rosenkranzkapelle 700 fl. stiftete (1760) und deren Ausschmückung mit Stukkaturen wünschte, wurde bereits erwähnt; das Ergebnis, falls es sich um diese Kapelle handeln sollte, wie anzunehmen ist, erscheint recht dürftig.
Von interessanten Kirchengeräten sind erwähnenswert: eine wertvolle und eigenartige Silbermonstranz, z. T. vergoldet, aus dem späteren 17. Jahrhundert, ferner ein vergoldeter Silberkelch aus dem Spätbarock mit drei Emailmedaillons. Ferner sind noch vier versilberte Altarleuchter aus der Zeit um 1760 vorhanden, beachtenswert ist außerdem die zierliche, von Paulus und Brigitta Fridl gestiftet, in Passau 1743 gegossene Glocke auf dem Kirchturm.

Der Umbau der Kirche mit Erweiterung des Schiffes nach Westen sowie der Neubau des Turmes wurden 1848 in Angriff genommen und 1851 vollendet. Die neue Kircheneinrichtung im Geschmack der damaligen Zeit wurde in den darauffolgenden Jahren fertiggestellt. Die Konsekration der Kirche erfolgte durch Bischof Heinrich am 9.7.1851. Im gleichen Jahre wurde auch der neue Friedhof - abseits der Kirche - feierlich eingeweiht. Fast genau 100 Jahre später war eine zweite Erweiterung dieses Gottesackers notwendig geworden.
Von den Grabdenkmälern in und an der Kirche seien einige hervorgehoben. Das älteste, noch aus der gotischen Zeit stammende liegt z. Z. fast unbeachtet an der Außenseite der Kirche neben dem Turm. Die Rotmarmorplatte bezeichnet ursprünglich die Grabstätte des Pfarrers Gruber von Kellberg und Hauzenberg, der 1430 starb und anscheinend den Wunsch geäußert hatte, hier begraben zu werden. Nach ihrem heutigen Zustand zu schließen, diente die Platte als Altarmensa eines der verschwundenen Barockaltäre. Als ältestes der hiesigen Grabmäler verdient sie erhalten zu werden. In der Seelenkapelle interessieren besonders das Zaglauerdenkmal wegen der figürlichen Darstellungen, sowie die wappengeschmückte Grabtafel des Vikars Schmid. An der Außenseite des Chors ist neben anderen, familiengeschichtlich interessanten Grabmälern beachtenswert die Grabtafel des Marktrichters Augustin vom Jahre 1683. Aus dem Jahre 1890 stammt die stattliche Marmortafel neben dem Ölberg, errichtet zu Ehren des Wohltäters Pfarrer Winklhofer von den Dorfgemeinden der Pfarrei.

Schließlich seien noch einige Kapellen und Bildstöcke im Ort erwähnt, die Denkmalschutz genießen: die in der heutigen Form wohl aus dem 18. Jahrhundert stammende, der Sage nach uralte Kapelle am Weg zum Friedhof mit einem Marienbildnis aus Holz und einer liegenden Figur des hl. Johannes Nepomuk, bei deren Gewandung Klöppelspitzen verwendet wurden. Ferner die beim Kaufgeschäft Koller befindliche Kapellennische mit z. T. sehr alten Holzfiguren ländlicher Herkunft. (Sitzende Madonna um 1520). Die Erhaltung wert sind auch die drei hübschen Granit-Bildstöcke; zwei am Fußweg zum Bahnhof, von 1659 mit dem Stifternamen Georg Griebl und weiter unter eine sog. Toskanische Säule aus dem 18. Jahrhundert. Eine ähnliche Toskanische Säule steht nahe dem Haus des Schneidemeisters Griebl am Wege nach Fürsetzing und ist vermutlich etwas älter als die vorerwähnte. Im Volk führen diese Bildstöcke die Bezeichnung "Pestsäulen".
Als ein Werk frommer Gesinnung sei auch der Kalvarienberg erwähnt, der unter starker Anteilnahme der Bevölkerung im Jahre 1892 vollendet wurde, aber gegenwärtig ein unbeachtetes Dasein zu führen hat. Wenn auch nicht von besonderen künstlerischen Werten gesprochen werden kann, so wäre das Werk doch der Erhaltung wert.

1971 wurde die alte Kirche durch eine moderne ersetzt.

Auszüge von Richard Miller von 1953









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